SONDERSEITE

ZUM HISTORISCHEN GRÜNEN GEWÖLBE

Im Jahre 2006 wurde eine weitere Attraktion der Dresdner Kunstlandschaft wiedereröffnet - das Historische Grüne Gewölbe in den originalen Räume des Residenzschlosses. An dieser Stelle können Sie sich über diese Schatzkammer von Weltrang informieren. Eintrittskarten bekommen Sie aber nur über den Besucherdienst der Kunstsammlungen (s.u.).

Ein nächtlicher Blick durch das vergitterte Fenster in das Eckkabinett   

Vorbemerkung: Das Schatzkammermuseum "Grünes Gewölbe" im Dresdner Schloß gliedert sich in zwei räumlich unabhängige Bereiche. Im 1.Obergeschoß können Sie im "Neuen Grünen Gewölbe" die prächtigen Ausstellungestücke in entspiegelten Vitrinen sehen. Hier finden Sie z.B. das Goldene Kaffeezeug, den "Hofstaat des Großmoguls" oder den Kirschkern mit den wohl 185 geschnitzen Gesichtern. Auch der "Dresdner Grüne Diamant", der weltweit größte natürlich grün gefärbte Diamant findet sich hier.

Der Zugang zu diesem Museumsteil ist ohne Vorverkauf immer (außer Dienstag) möglich.

Hingegen werden für die im September 2006 nach 16-jähriger Rekonstruktion eröffneten Prunkräume des "Historischen Grünen Gewölbes" im Erdgeschoß des Schlosses die zeitgebundenen Karten im Vorverkauf vertrieben, da der Zugang auf 120 Personen/Stunde begrenzt ist. Ein Tageskontingent wird am jeweiligen Tag verkauft, Dienstag geschlossen.

Die Karten des Tageskontingentes (ca. 250 Tickets, 5 Stück p.P.) für den gleichen Tag werden ab 10 Uhr an der Museumskasse im Kleinen Schloßhof verkauft. Heute gibt es oft Tage, an denen man ganztägig noch Karten für den gleichen Tag bekommt, morgendliche Warteschlangen sind selten geworden.

Wenn Sie bereits Karten besitzen: Beachten Sie bitte, daß Sie unbedingt innerhalb des aufgedruckten Zeitraumes z.B. 11:30-45 Uhr den Einlaß passieren und planen Sie entsprechend genügend Zeit z.B. für die Abgabe der Garderobe ein. Die Aufenthaltsdauer im Museum ist aber nicht beschränkt. Wenn man sich alle Texte des Audioguides anhört, benötigt man ca. 90 Minuten.

Praktische Informationen

Quelle: DWT

  • Öffnungszeiten: Neues Grünes Gewölbe täglich (außer Dienstag) von 10 bis 18 Uhr (letzte Einlass um 18 Uhr)- Historisches Grünes Gewölbe täglich (außer Dienstag) von 10-19 Uhr. Zu bestimmten Feiertagen verlängerte Zeiten, meist im Januar eine Woche geschlossen für Reinigung.

Eintrittspreis Historisches Grünes Gewölbe: 12,-- € pro Person, inkl. Audioguide und 2 Euro Vorverkaufsgebühr, an der Tageskasse 10 Euro. 

Es werden keine Ermäßigungen gewährt. Freier Eintritt (ohne Ticket): - Kinder bis zum vollendeten 16. Lebensjahr - eine Begleitperson von Schwerbehinderten mit Kennzeichen „B“ im Schwerbehindertenausweis. Dieser ist beim Einlass vorzulegen.

Besonderheiten: Der Rundgang im Historischen Grünen Gewölbe erfolgt mittels Audioguide, Führungen können nicht angeboten werden. Aufgrund der besonderen Ausstellungstechnik ist die Besucherzahl pro Stunde auf 120 Personen begrenzt. Um die Besucher optimal auf die zur Verfügung stehende Zeiten zu verteilen, ist der Eintritt an einen festen Termin mit Uhrzeitbeginn jeweils zur vollen und halben Stunde an ein Zeitfenster von 15 Minuten gebunden. Diese Daten sind auf der Eintrittkarte vermerkt. Aus technischen Gründen ist ein Einlass nach Beendigung des Zeitfensters nicht mehr möglich. Es besteht Garderoben- und Taschenabgabepflicht. Da an den Garderoben Wartezeiten entstehen können, wird empfohlen, sich rechtzeitig vor Beginn des Zeitfensters einzufinden. Bitte beachten Sie, dass das Fotografieren im Museum nicht gestattet ist.

Vorverkauf der Eintrittskarten für das Historische Grüne Gewölbe: Der Vorverkauf und damit auch der Online-Verkauf (mit hinterlegtem Link zur Buchen-Startseite) endet jeweils am Vortag des Besuchstages. Eine Rückgabe der erworbenen Eintrittkarten ist grundsätzlich ausgeschlossen. Die Eintrittkarte(n) drucken Sie sich auf einem gängigen Tintenstrahl- und Laserdrucker selbst aus. Auf der Eintrittskarte ist ein Strichcode zweimal ausgedruckt. Dieser wird im Einlassbereich des historischen Grünes Gewölbes eingelesen. Damit dieser Strichcode lesbar bleibt, darf er nicht geknickt oder anderweitig beschädigt werden. Das gültige Einlesen berechtigt zu einem einmaligen Besuch innerhalb des angegebenen Zeitraums. Jede Eintrittkarte kann nur einmal eingelesen werden, danach ist der vergebene Strichcode gesperrt. Der kommerzielle Weiterverkauf der Eintrittskarten, der Missbrauch und das Kopieren sind verboten.

Alle Angabe ohne Gewähr!

Literaturempfehlung:

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Presseschau

September 2007

Quelle: Presseinfo der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Ein Synonym für Dresden: Das Historische Grüne Gewölbe ein Jahr nach seiner Wiedereröffnung; Das Dresdner Residenzschloss entwickelt sich bis 2013 zu einem der bedeutendsten Museumskomplexe Europas


Noch immer bildet sich an jedem Öffnungstag schon früh morgens eine Schlange von Besucherinnen und Besuchern, die sich um die begehrten Karten für das Historische Grüne Gewölbe bemühen. Denn hinein kommt man nur mit einem Ticket, das Datum und Uhrzeit des Besuches bestimmt. Wer nicht anstehen möchte, hat sich in der Regel schon lange vor dem Besuch im Vorverkauf eine Karte gesichert. Etwa 60 % der Karten werden auf diesem Wege vertrieben, die restlichen annähernd 40 % werden an der Tageskasse für denselben Tag ausgegeben. Bis Ende dieses Jahres sind im Vorverkauf alle Karten ausverkauft. Ab Januar 2008 sind Karten im Vorverkauf verfügbar, allerdings sind bereits für alle Monate des kommenden Jahres Buchungen erfolgt. Karten für die Monate Januar, März, April und Mai sind dabei besonders nachgefragt. 320.000 Besucher haben seit der Wiedereröffnung das Historische Grüne Gewölbe erlebt. Es war an jedem Öffnungstag ausverkauft. Ein Jahr nach der Wiedereröffnung ist das Interesse an Europas prächtigster barocker Schatzkammer ungebrochen.

Nach einem Reigen von festlichen Veranstaltungen zur Eröffnung, ermöglicht durch den offiziellen Förderer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Sparkassen-Finanzgruppe, und durch unseren Sponsor A. Lange & Söhne, öffneten sich die Pforten des Historischen Grünen Gewölbes am 15. September 2006 für Kunstliebhaber aus aller Welt. Ein weltweites Medieninteresse begleitete die Wiedergeburt des einzigartigen barocken Gesamtkunstwerks, das die Welt von August dem Starken ererbt hatte, und das als solches infolge des Zweiten Weltkriegs nur mehr in der Erinnerung und Vor-stellung existiert hatte. 61 Jahre nach dem Ende des Krieges konnte die Schatzkammer der Kunstwelt neu geschenkt werden. Zu großen Teilen ein Werk der Restaurierung und nur zum kleineren Teil rekonstruiert, verspürt man im Historischen Grünen Gewölbe die Aura des Authentischen. „Dass es die trotz des Weltkriegs und der Zeitläufe danach nahezu vollständig erhaltene einzigartige Sammlung der Kunstwerke in ihrer historischen, barocken Inszenierung präsentiert, macht das Historische Grüne Gewölbe zu einer weltweit unvergleichbaren Schatzkammer“, sagt Prof. Dr. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes.

Die besonderen Sicherheits- und Klimabedingungen der Schatzkammer, in der die meisten Kunstwerke ohne Vitrinen präsentiert werden, erfordern eine Begrenzung der Besucherzahl und die Vergabe von Zeittickets. Dieses Verfahren hat sich in jeder Hinsicht bewährt. Einem Theaterbesuch vergleichbar kommen die Gäste zu festgelegter Uhrzeit. Man betritt die Schatzkammer durch eine Sicherheits- und Klimaschleuse und erlebt die überwältigende Pracht in nicht überfüllten Räumen.

Die ursprünglich auf 100 Personen pro Stunde kalkulierte Zahl einzulassender Besucher konnte in der Praxis auf etwa 120 erhöht werden, unter strikter Wahrung konservatorischer Belange. Dies verdankt sich u.a. der höchsten Anforderungen genügenden, hochmodernen Klimaanlage für den „begehbaren Tresor“. Erst die Museumspraxis ermöglichte es, die vertretbare Besucherzahl exakt zu bestimmen. Diese zusätzlichen Eintrittskarten wurden und werden über die Tageskasse ausgegeben.

Ob aus den USA, China, Vietnam, Indonesien, Japan, Chile, Kolumbien, Russland oder den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union - dies nur wenige Beispiele - kaum ein Land, aus dem noch keine Besucher im Grünen Gewölbe gewesen wären, wie die unzähligen Einträge in den Gästebüchern zeigen. Die weltweite Berichterstattung hat zur Bekanntheit entscheidend beigetragen. „Wonderful, breathtaking. Highlight of my trip to Germany“ oder „... Das Erlebnis ist nicht in Worte zu fassen“ – um nur zwei Eintragungen wiederzugeben, die durchaus pars pro toto stehen. Lang auch ist die Liste der Ehrengäste und Prominenten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport, die seit der Eröffnung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Georg Milbradt das Grüne Gewölbe besucht haben.

Prof. Dr. Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sieht in der Resonanz die Würdigung der hochqualifizierten Arbeit einer Vielzahl von Beteiligten: „Das Grüne Gewölbe ist inzwischen ein Synonym für Dresden. Der überwältigende Zuspruch der Menschen ist der schönste Dank für die hervorragenden Leistungen von Denkmalpflegern, Handwerkern, Baumeistern, Restauratoren, Kunsthistorikern und nicht zuletzt des Direktors des Grünen Gewölbes, Prof. Dr. Dirk Syndram, und seines Teams, die über Jahre und Jahrzehnte für die Wiederkehr des Grünen Gewölbes gearbeitet haben. Zugleich ist diese Publikumsresonanz ein Triumph für den kunstsinnigen Kurfürsten und König August den Starken, dessen geniale Idee zur Schöpfung des Grünen Gewölbes auch 280 Jahre nach ihrer ursprünglichen Verwirklichung nichts von ihrer Faszination und Wirkungskraft verloren hat“.

Auch das bereits 2004 eröffnete Neue Grüne Gewölbe im ersten Obergeschoss des Residenzschlosses, gewissermaßen das komplementäre Element zum Historischen Grünen Gewölbe, erfreut sich unver-ändert großer Beliebtheit. Bis heute haben 1.640.000 Gäste das Neue Grüne Gewölbe besucht.

Der weitere Ausbau des Dresdner Residenzschlosses zu einem der bedeutendsten Museumskomplexe Europas geht unterdessen mit großem Elan voran. Die Schlosskonzeption von Generaldirektor Prof. Dr. Martin Roth und Prof. Dr. Dirk Syndram, der seit Dezember 2006 auch als Direktor der Rüstkammer fungiert, sieht im zweiten Obergeschoss die Einrichtung der „Türckischen Cammer“ vor. Deren Eröffnung wird im Jahr 2009* die nächste Etappe auf dem Weg der Vollendung des Residenzschlosses als Kunst- und Kulturzentrum sein.

* wohl erst Frühjahr 2010

Die „Türckische Cammer“ beherbergte seit dem 17. Jahrhundert kostbare orientalische und orientalisierende Waffen, Kleider und Zelte, die als diplomatische Geschenke, Beutestücke und Ankäufe vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in die Sammlung der Rüstkammer gelangten. Den Auftakt dieser einzig-artigen Ausstellung wird eine bewegte Gruppe von fünf lebensgroßen geschnitzten Pferden bilden, geschmückt mit osmanischen Sätteln, Reitzeugen und Schabracken. Ein großes osmanisches Staatszelt, das exemplarisch für das Zeithainer Lager steht, eine Truppenschau, die 1730 von August dem Starken veranstaltet wurde, dominiert den langen Saal. Präsentiert in einem abgedunkelten Raum – wie unter einem nachtblauen Sternenhimmel – nur im Inneren beleuchtet, entführt es die Besucher in die Kultur des Osmanischen Reiches, erinnert an Türkenkriege und Türkenmode und spiegelt die Achtung und Bewunderung der sächsischen Kurfürsten für den Orient wieder.

Diese erlesene Abteilung der Rüstkammer wird separat zu besichtigen sein, die Besucherinnen und Besucher können sie in den nächsten Jahren aber auch als krönenden Abschluss eines Rundgangs erleben, der an der Englischen Treppe beginnen wird. Der in seinen Dimensionen atemberaubende Riesensaal bildet einen angemessenen Rahmen für das Turnierwesen, welches in drei großen Gruppen den gesamten ersten Teil des Raumes einnehmen wird. Umfangreiche Harnisch-Garnituren des Augsburger Plattners Anton Peffenhauser und kostbare Prunkharnische mit dem berühmten Libaerts-Harnisch im Zentrum schmücken den mittleren Teil des Raumes. Am Ende des Riesensaals markieren dunkle Feldharnische die ernsthafte Seite des Kampfes und erinnern an den Dreißigjährigen Krieg. Rechts werden sich im Georgenbau Silbersaal und Münzkabinett anschließen. Im Nordflügel zur Linken sieht die Konzeption Prof. Syndrams die Bereiche Höfische Jagd und Höfisches Fest vor. Dort sollen kostbare Kostümen und Prunkwaffengarnituren ausgestellt werden, die bisher zum größten Teil für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren. Sie bilden einen fulminanten Auftakt für die Para¬deräume Augusts des Starken im Westflügel, deren Restaurierung und Rekonstruktion bereits begonnen hat, und die nach ihrer Fertigstellung die barocke Ausstattung des Grünen Gewölbes noch übertreffen werden.

Aber der Zauber der bedeutenden, in Qualität, Vielfalt und Umfang einmaligen Rüstkammersammlungen entfaltet sich bereits im ersten Obergeschoss. Empfangen von der kurfürstlichen Garde, durchschreiten die Besucher im Ostflügel den Trabantensaal, passieren den Bereich des Mittelalters und der Vorreformation, begleiten Moritz auf dem Weg zur Macht bis zur Erlangung der Kurwürde und werden in die Zeit Kurfürst Augusts versetzt. Wenn man sich am Ende des Ostflügels nach rechts wendet, kommt man in dem Bereich „Weltsicht und Wissen“ zu den Ursprüngen der kurfürstlichen Kunstkammer, folgt man dem Weg nach links in den Nordflügel, können kostbare Gewänder der Renaissance besichtigt werden.
Einen genealogischen Überblick erhalten alle Besucher beim Durchschreiten der Fürstengalerie, wo in Porträts und Büsten die Abfolge der sächsischen Kurfürsten und Kurfürstinnen präsentiert wird. Wer sich für die Entstehung des Schlosses interessiert, kann von der Gotischen Halle im Erdgeschoss des Ostflügels aus in die Kemenate des 13. Jahrhunderts hinabsteigen und sich anhand von Modellen und 3D-Rekonstruktionen die umfangreiche Baugeschichte erklären lassen.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehen davon aus, dass das Residenzschloss ab dem Zeitpunkt seiner Vollendung – das wird voraussichtlich 2013 sein - jährlich 2 Millionen Besucher haben wird. Um diese adäquat empfangen zu können, entsteht derzeit ein lichtdurchlässiges Dach über dem Kleinen Schlosshof und macht diesen zum großzügigen Foyer. Bereits Ende 2008 soll es fertiggestellt sein.

Datum: 23.6.2006

Einzug der Kostbarkeiten-Dresdens Schatzkammermuseum füllt sich

Dresden - Im Erdgeschoss des Dresdner Schlosses ist derzeit Fingerspitzengefühl gefragt: „Kann man die Schale dort oben um 90 Grad drehen?.“ Der Blick von Direktor Dirk Syndram gleitet prüfend über eine Wand im Pretiosensaal des Historischen Grünen Gewölbes. Seit gut zwei Wochen wird an kunstvoll restaurierten oder dem vernichteten Original nachgebildeten Spiegelwänden arrangiert. Nach mehr als zehn Jahren Planung und zig Varianten auf dem Papier ist der Einzug von rund 3000 Kostbarkeiten aus der Schatzkammer sächsischer Kurfürsten und Könige in vollem Gange.

Das 1723 bis 1729 eingerichtete Grüne Gewölbe ist eine der reichsten Schatzkammern und eines der ältesten Museen Europas. Ihren Namen verdankten die um 1550 entstandenen Räume der „Geheimen Verwahrung“ malachitgrünen Abfärbungen einzelner Bauteile. Sachsen- Kurfürst und Polen-König August der Starke (1670-1733) ließ die tresorartigen Räume zum öffentlichen Schatzkammermuseum ausbauen. Drei der acht Räume wurden im Februar 1945 bei den Bombenangriffen auf Dresden zerstört. Von 1974 an konnte aus Platzgründen nur ein geringer Teil gezeigt werden. Seit September 2004 sind im Neuen Grünen Gewölbe, dem modernen Teil, bereits 1068 Kunstwerke zu sehen.

Nun werden auch für die acht historischen Räume die Stücke im Depot herausgesucht, restauriert, verpackt und transportiert. „Mal sehen, ob wir alle Konsolen voll kriegen“, sagt Oberkonservatorin Jutta Kappel. „Wir haben doch noch“, meint Syndram und zeigt auf Steinschalen, Edelstein besetzte Döschen und Pokale, die auf Tischen bereit stehen. Für ihn kommt die Arbeit einer Inszenierung auf der Bühne gleich.

Die beiden Restauratoren müssen die große Leiter wieder vorsichtig verschieben. Behutsam wird das Stück heruntergereicht, für Sekunden halten alle den Atem an. Jeder Handgriff muss sitzen. „Die Exponate müssen sicheren Stand haben, dürfen nicht rutschen oder durch Erschütterung von der Konsole fallen“, sagt Restauratorin Eva Begov. „Meine größte Angst ist, dass mir etwas aus der Hand rutscht.“ Jedes Stück, das bereits platziert ist, wurde mit Inventarnummer auf der dazu gehörenden Architekturzeichnung vermerkt.

Der ganze Schatz, den August der Starke hatte

Die verspiegelten Wände borden über vor kunstvoll geschnitzten, mit Blattgold überzogenen Konsolen, auf denen oft zwei oder drei Objekte stehen. „Wir zeigen hier den ganzen Schatz, den August der Starke hatte“, erklärt Syndram die Fülle. Schon jetzt gehen dem Betrachter die Augen über, obwohl die Straußeneier-, Seeschnecken- oder Nautilusschalen, Pokale sowie die Bleikristallwand noch fehlen.

Vorlage für die Wandbestückung, deren Planung 2002 begann, waren Bilder aus Vorkriegsjahren. „Aber wir erlauben uns auch Anmutungen“, sagt Syndram. Bis auf wenige Absprachen herrscht gespannte Stille im Erdgeschoss-Saal. „Spannend, aufregend“, beschreibt Kappel ihre Gefühle. Die Stücke reagierten auf den Raum, dies sei nicht vorstellbar gewesen. „Sie fangen an zu leben.“

Nach und nach füllen sich die Konsolen. „Hier wird es aussehen wie bei Ali Baba zu Hause“, sagt Syndram. In wenigen Wochen sollen auch auf den Marmorplatten der originalen Tische in Fensternischen und vor den Wänden Prunkstücke „Platz genommen“ haben. Noch kleben dort nur Zettel mit Fotos und Inventarnummer. Der Pretiosensaal ist neben dem Juwelenzimmer das Herzstück des Grünen Gewölbes, das für Augusts Sohn Friedrich August III. ein wichtiges Pfund im Ringen um die polnische Krone war.

„Es repräsentiert Reichtum und Macht, jeder sollte sehen, wie gut das Konto des Kurfürsten ausgestattet war“, erzählt Syndram. Vom 15. September an kommt Jedermann wieder in einen ähnlichen Genuss. „Die Objekte werden frei stehen, zum Greifen nah.“ Ein Handlauf, 1,20 Meter entfernt und ebenso hoch, soll die Kunstwerke schützen. „Wenn Sie sich richtig rüberbeugen, löst der Alarm aus“, warnt Syndram, ehe er mit einem letzten Blick das Ergebnis dreistündiger Bemühungen inspiziert. „Ja, so will ich das haben, so ist es schön.“

Quelle: sz-online.de / dpa / Simona Block, Sächsische Zeitung

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Datum: 31.3.2006

Filigrane Handwerkskunst

Vier Jahre dauerte die Rekonstruktion der im Februar 1945 bei der Bombardierung Dresdens weitgehend zerstörten Räume im Westflügel des Residenzschlosses. Etwa 120 Ingenieure, Architekten, Vergolder, Bildhauer, Tischler und Restauratoren wirkten daran mit. Sie sorgten für originalgetreue Holzverkleidungen, mit Gold verzierte Wandbemalungen, prunkvolle Deckengemälde sowie prunkvolle Spiegelkabinette. Die Rekonstruktion der Schmuckspiegel gestaltete sich dabei am aufwändigsten, da die mehr als 100 neuen Spiegel zum großen Teil im Originalverfahren mit Quecksilber und Amalgam auf Glas hergestellt wurden.

Nicht nur Säle erstrahlen im barocken Glanz

Neben dem Vorgewölbe umfasst das Historische Grüne Gewölbe ein Bernstein-, ein Elfenbein-, ein Weißsilber- und ein weißvergoldetes Zimmer. Darüber hinaus gibt es ein Wappen-, Juwelen- und zwei Bronzezimmer sowie den Pretiosensaal. Doch nicht nur die Prachtkabinette selbst sollen die Besucher anlocken. Auf rund 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche können hier ab 15. September auch Schmuck, Kunsthandwerk und Möbel aus den edelsten Materialien bewundert werden. Allerdings können immer nur 100 Besucher gleichzeitig die Schätze sehen, da sie nicht in Vitrinen, sondern frei auf Konsolen ausgestellt werden.

Zu den Kostbarkeiten des Historischen Grünen Gewölbes gehört dann unter anderem das Juwelenzimmer mit der kompletten Juwelengarnitur August des Starken und seines Sohnes. Dabei handelt es sich um eine einmalige historische Kollektion repräsentativen Schmucks aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus wird nach der feierlichen Eröffnung ein "Mohr" gezeigt, der einen grünen Smaragd in der Hand hält. Zu sehen sein wird auch der "Große Grüne Diamant", ein weltberühmter Edelstein mit 41 Karat. August III. hatte den Diamanten um 1741 von einem englischen Kunsthändler in Leipzig erworben. Der Stein stammt wahrscheinlich aus Indien und wurde in London geschliffen. Zudem wird der Obeliskus Augustalis ausgestellt, der zu Ehren des Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken errichtet wurde.

Malachitgrüne Wandfarbe als Namensgeber

Das Gewölbe verdankt seinen Namen der malachitgrünen Bemalung an den Wänden. Die Räume wurden um 1550 von August von Sachsen (1526-1586) als "Geheimverwahrung" der kurfürstlichen Schätze errichtet. August der Starke (1670-1733) ließ das Grüne Gewölbe von 1723 bis 1730 mit anderen Räumen verbinden und vom sächsischen Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann zu einem öffentlich zugänglichen Museum umgestalten. Damit realisierte August der Starke seine Vision vom barocken Gesamtkunstwerk als Ausdruck von Reichtum und absolutistischer Macht. Die Schatzkammer blieb bis ins 20. Jahrhundert ein Besuchermagnet. 1942 wurde sie jedoch geschlossen, die Sammlung nach Königstein gebracht. Erst 1958 kehrte sie nach Dresden zurück. Da das Schloss jedoch weitgehend unbenutzbar war, verschwanden die Kostbarkeiten zunächst im Archiv. Ab 1974 war ein Teil der Sammlung im Albertinum zu sehen.

Sammlung wieder komplett

Die Bauarbeiten im und am Schloss begannen 1985 nach alten Originalansichten und noch vorhandenen Bauplänen. In der einstigen Residenz der sächsischen Kurfürsten und Könige sind neben dem Grünen Gewölbe auch das Münzkabinett, die Rüstkammer, das Kupferstichkabinett und die Verwaltung der Staatlichen Kunstsammlungen untergebracht. Mit dem historischen Teil des Museums wird die in Europa einzigartige Schatzkammersammlung der sächsischen Kurfürsten und Könige wieder komplettiert. 2004 war bereits der moderne Teil des Grünen Gewölbes für Besucher geöffnet worden. Dort sind mehr als 1.000 Kunstwerke von der Renaissance bis zum Klassizismus zu sehen. Der Freistaat Sachsen investierte in die Restaurierung des Grünen Gewölbes rund 45 Millionen Euro. Der Wiederaufbau soll 2007 abgeschlossen sein.

Quelle: mdr.de

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